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Tricycle – das Dreirad
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Tricycle – das Dreirad

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Im Jahr 1985 rief die Pfalzwein-Werbung für den Erlebnistag Deutsche Weinstraße einen Wettbewerb um das originellste muskelgetriebene Fahrzeug aus. Da ich mich vorher bereits mit kinetischen Objekten beschäftigt hatte und mit Freunden selbst Radsport betrieb, hatte ich spontan vor hier mitzumachen. Ganz entscheidend war jedoch der glückliche Umstand, daß in dieser Zeit Bernd Hettinger, der heute die Kunstgiesserei KunstgussKastel in Mainz leitet, bei mir wohnte.

Bernd schätzte ich bereits damals als einen hervorragenden Handwerker mit weitreichenden Kenntnissen in der Metallverarbeitung und einem ganz besonderen technischem Verständnis. Gemeinsam mit ihm entstanden schnell die ersten Ideen und Skizzen.

Wir hatten uns vorgenommen ein Fahrzeug für 2 Personen und lediglich 3 Rädern zu entwickeln. Obwohl alle Räder in eine Achse liegend geplant waren, gingen wir davon aus, daß sich das Fahrzeug inklusive Fahrer und Beifahrer bei entsprechend tiefem Schwerpunkt selbstständig in der Waage halten müßte.

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Zeit, genaue Berechnungen anzustellen hatten wir natürlich nicht und so vertrauten wir auf unsere Intuition und Erfahrung. Da der Antrieb über das mittlere Rad erfolgen sollte, mußte dieses über eine Schwinge und Federn (letztendlich nahmen wir 2 Öldruckdämpfer aus einer KFZ-Hecktüre) beweglich gelagert werden. Hierzu setzten wir die Achse des Rades ca. 15cm hinter die der äußeren Räder, was sich ihm Nachhinein als sehr positiv für den Geradeauslauf und das Nickverhalten des Fahrzeugs auswirkte. Negativ waren die bei Kurvenfahrten auf dieses Rad wirkenden starken axialen Kräfte, Bernd ließ daraufhin kurzerhand dieses Laufrad radial einspeichen.

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Da wir davon ausgingen, daß für einen Kurbelantrieb mit den Beinen nicht genügend Platz sein würde, entschieden wir uns für einen Hebelantrieb mit den Armen. Letztendlich trieben Fahrer und Beifahrer mit je einem Paar gegenläufiger Hebel und Schubstangen eine zentrale Kurbelwelle an, die gleichzeitig als Fußstütze diente. Von dort wurde die Antriebskraft über einen Kettenantrieb mit siebenfacher Kettenschaltung an das zentrale Antriebsrad geleitet. Die gesamte Rahmenkonstruktion bestand aus autogen verschweißtem Stahlrohr, die erforderlichen Kugellager für die Kurbelwelle und Schubstangen haben wir Mangels Drehbank teilweise mit einer Säulenbohrmaschine selbst hergestellt.

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Nach wenigen Tagen (und Nächten) konnten wir die Rohkonstruktion erfolgreich auf die prinzipielle Funktionsfähigkeit hin überprüfen und konzentrierten uns nun auf die Steuerung und Bremseinrichtungen. Jedes Rad war über ein Fußpedal einzeln abzubremsen, wobei die Bremsen der äußeren Rädern über die Fußpedale des Fahrers betätigt wurden, der damit gleichzeitig auch das Fahrzeug steuerte. Die Kettenschaltung und Bremse des Antriebsrades waren auf die Seite des Beifahrers gelegt.

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Nach einer Bauzeit von lediglich 7 Tagen und Nächten war das Fahrzeug inklusive Lackierung fertiggestellt und wir konnten beginnen, uns mit der Bedienung und dem Fahrverhalten vertaut zu machen. Wir lernten, beim Beschleunigen unser Gewicht nach vorne zu verlagern und uns beim Abbremsen entsprechend zurückzulehnen. Trotzdem setzte gerade am Anfang unser Fahrzeug noch häufig auf der hierzu extra angefertigten und gummigelagerten Frontkufe auf. Überhaupt stellte sich die Steuerung des Fahrzeugs als ausgesprochen schwierig dar. Bei jeder gewünschten Richtungsänderung mußte das hohe Massenträgheitsmoments berücksichtigt werden, welches zunächst den Beginn einer Änderung verzögerte und dann nur langsam wieder beendete. Unbeschreiblich ist jedoch das Gefühl auf einer Achse balancierend und knapp über dem Boden sitzend durch die Gegend zu fahren, -abgesehen von dem ungläubigen Staunen zufällig anwesender Passanten. “…wieso kippt datt dennich um?”

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Groß war allerdings unsere Enttäuschung als wir mit unserem Fahrzeug in Neustadt an der Weinstraße am Wettbewerbstag eintrafen. Wir hatten uns technisch attraktive und anspruchsvolle Lösungen unserer Mitstreiter vorgestellt und fanden in meiner Erinnerung nun kaum viel mehr als Weinfässer mit Pedalantrieb. Im Gegensatz zum späteren Sieger des Wettbewerbs hatten wir den Ehrgeiz, die gesamte Wettbewerbsstrecke von ca. 40 km mit unserem Fahrzeug abzufahren. Etliche Steigungen zwangen uns Mangels Armkraft dazu, das Fahrzeug mit einem Seil weiterzuziehen und bei einigen Gefällstrecken konnten wir die Abfahrt nur noch unter Ausnutzung der gesamten Straßenbreite halbwegs unter Kontrolle halten. Letztendlich haben wir dann aber doch die gesamte Strecke geschafft.

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Nach der intensiven und euphorischen Vorbereitungszeit kam nun die Phase der Ernüchterung und der Erkenntnis, daß dieses Fahrzeug zwar prinzipiell funktioniert und es ein unglaublich gutes Gefühl ist, damit zu fahren aber: sehr gute körperliche Kondition und hindernisfreie, ebene Wegstrecken erfordert.
Konsequenterweise verschwand das Tricycle zunächst in der Versenkung und Bernd und ich gingen wieder unsere eigenen Wege.

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Durch einen glücklichen Umstand kam ich einige Monate später in den Besitz einer defekten Velo-Solex. Da ich den Motor aus früheren Zeiten recht gut kannte, entschloß ich mich aus einer spontanen Idee heraus, diesen in das Dreirad einzubauen.

(Dieser Motor ist ein 50ccm 2-Takt-Einzylinder mit ca 0,4kw. Ddirekt an der Kurbelwelle sitzt eine fliehkraftgeregelte Reibrolle, die auf die Lauffläche eines Antriebsrades wirkt. Rechts und links befinden sich ein 1l-Benzintank und die Zündanlage, das Ganze ist also sehr kompakt und nur ca. 3,5kg schwer)

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Erstaunlicherweise fügte sich alles recht elegant zueinander, so daß ich nach einem Wochenende in der Werkstatt die erste Probefahrt starten konnte. Der kleine Motor schaffte es tatsächlich, das Dreirad bis auf ca. 20km/h zu beschleunigen. Er lärmte zwar direkt in Ohrenhöhe, aber endlich konnte man sich ganz auf das unbeschreibliche Fahrgefühl konzentrieren. Einige Jahre später habe ich das Fahrzeug mitgenommen an die Europäische Akademie für Bildende Kunst in Trier, die nach dem Umzug an die Mosel über ausreichend Freifläche (und Zuschauer) für diverse Fahrten verfügte.

Ich weiß sicher, daß das Dreirad dort noch mehrere Jahre lang in den Sommermonaten benutzt wurde. Heute gibt es Fahrzeuge wie den Segway, bei dem die Stabilisierung über die Querachse rein elektronisch erfolgt. Manchmals denke ich dann: vielleicht sollte man nochmal neu anfangen und diesmal einen elektrischen Antrieb mit digitaler Stabilisierung der Balance einsetzen, und dann könnte man ….

Hier nochmals alle Bilder in der Übersicht:

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